Standzeit richtig planen.
Vier Wochen Grundstandzeit klingen großzügig und reichen selten. Warum Gerüste länger stehen als geplant und wie Sie die Standzeit realistisch ansetzen.
Vier Wochen Grundstandzeit stehen in vielen Angeboten. Vier Wochen klingen nach viel, wenn man vor dem leeren Haus steht und der Maler „zwei Wochen“ gesagt hat. In der Praxis reichen sie selten. Das liegt nicht an schlechter Planung, sondern daran, dass sich am Bau Gewerke aneinanderreihen und jedes davon vom vorigen abhängt.
Die Rechnung, die niemand aufmacht
Nehmen wir eine normale Fassadensanierung mit Anstrich und kleinen Putzarbeiten:
| Schritt | Realistisch |
|---|---|
| Gerüst steht, Freigabe | Tag 1 |
| Altanstrich prüfen, Schadstellen aufnehmen | Tag 2–3 |
| Putz ausbessern | Tag 4–6 |
| Trocknen lassen | 5–10 Tage |
| Grundierung | 1 Tag |
| Erster Anstrich | 2 Tage |
| Trocknen | 1–2 Tage |
| Zweiter Anstrich | 2 Tage |
| Abnahme, Nacharbeiten | 1–2 Tage |
Das sind ohne einen einzigen Regentag rund vier Wochen. Mit Regen, mit einem Handwerker, der zwei Tage auf einer anderen Baustelle festhängt, und mit der einen Schadstelle, die größer ist als gedacht, sind es sechs.
Die drei Gründe, warum Standzeiten reißen
Trocknungszeiten sind Wetter, nicht Termin. Putz und Anstrich brauchen Temperatur und Luftfeuchte. Im Oktober trocknet dieselbe Fläche doppelt so lange wie im Juni. Wer im Spätjahr saniert, sollte die Standzeit von vornherein länger ansetzen.
Gewerke greifen ineinander. Wenn der Dachdecker noch auf dem Dach ist, kann der Maler an der Traufe nicht arbeiten. Verschiebt sich das eine, verschiebt sich das andere mit — und das Gerüst steht weiter.
Der Umfang wächst. Bei fast jeder Altbausanierung findet sich hinter dem Putz etwas, das nicht im Angebot stand. Das ist normal. Es kostet aber Tage.
Was das für Ihre Planung heißt
Setzen Sie die Standzeit nach dem letzten Gewerk an, nicht nach dem ersten. Fragen Sie jeden beteiligten Handwerker, wann er kommt und wie lange er braucht, addieren Sie Trocknungszeiten und rechnen Sie zwei Puffertage pro Gewerk dazu. Kommen Sie auf fünf Wochen, buchen Sie sechs.
Der zweite Hebel ist der Preis der Verlängerungswoche. Wenn er im Angebot steht, ist eine längere Standzeit kein Unfall, sondern eine Rechnung, die Sie vorher aufmachen können. Fragen Sie danach, bevor Sie unterschreiben.
Wann eine kurze Standzeit richtig ist
Nicht immer ist lang besser. Beim reinen Dachdeckerschutzgerüst hängt alles am Dachdecker: Ist das Dach zu, ist das Gerüst überflüssig. Hier ist eine kurze Grundstandzeit mit klarer Verlängerungsoption oft günstiger als vier Wochen, die niemand braucht.
Ähnlich bei Industriegerüsten im Stillstand: Wenn die Anlage nur zwei Wochen steht, muss das Gerüst in diesen zwei Wochen stehen und weg sein. Da wird die Standzeit vom Betriebsplan bestimmt, nicht vom Kalender.
Kurz gesagt
Rechnen Sie die Standzeit vom letzten Gewerk her, nehmen Sie Trocknungszeiten ernst, lassen Sie sich den Preis der Verlängerungswoche vorher nennen und sagen Sie rechtzeitig Bescheid, wenn es länger dauert. Ein Anruf eine Woche vorher ist unkompliziert. Ein Anruf am Abbautag ist es nicht.