Morgens am Hof
Der Tag fängt am Betriebshof in der Stromberger Neuhütte an, nicht auf der Baustelle. Wer von weiter weg kommt, ist entsprechend früher los. Auf dem Hof steht, was heute gebraucht wird: Rahmen, Riegel, Diagonalen, Beläge, Bordbretter, Kupplungen, Verankerungsmaterial. Was aufs Fahrzeug kommt, entscheidet sich nach dem Aufmaß, das jemand vorher gemacht hat — und wenn dabei etwas vergessen wird, merkt man das zwanzig Kilometer später.
Deshalb wird morgens nicht einfach losgefahren. Es wird geladen, gezählt und gesichert. Ladungssicherung ist kein Formalkram: Ein Bündel Stahlrohre, das sich auf der Landstraße löst, ist eine Katastrophe. Das dauert seine Zeit, und diese Zeit gehört zum Tag dazu.
Ankommen und abladen
Auf der Baustelle wird zuerst geschaut, wo das Gerüst überhaupt hin soll. Ist die Zufahrt frei? Stehen Autos im Weg? Ist der Boden tragfähig, oder muss die Last verteilt werden? Steht das Gerüst über dem Gehweg, ist die Absicherung das Erste, was aufgebaut wird — vor dem ersten Ständer.
Dann wird abgeladen. Ein Gerüstrahmen wiegt je nach System zwischen 15 und 25 Kilo. Ein Belag aus Holz wiegt ähnlich, Stahlbeläge mehr. An einem normalen Aufbautag gehen mehrere Hundert Teile durch die Hände — heruntergereicht, getragen, gestapelt, weitergegeben. Das ist der Teil, den man in den ersten Wochen am deutlichsten spürt.
Aufbauen
Gebaut wird von unten nach oben, Lage für Lage. Zuerst die Fußspindeln, ausgerichtet und im Lot — wer hier schludert, holt sich den Fehler durch die gesamte Höhe mit nach oben. Dann die ersten Rahmen, die Diagonalen zur Aussteifung, der erste Belag. Ab da wird über den Belag weitergearbeitet: anreichen von unten, einbauen von oben.
Es gibt einen Rhythmus, der sich einstellt, sobald zwei Leute eingespielt sind. Einer reicht an, einer setzt. Man spricht wenig, weil man sich kennt und weil man sich über zwei Lagen hinweg ohnehin schlecht versteht. Stattdessen wird gezeigt und gerufen. Wer neu ist, versteht die ersten Tage die Hälfte nicht — das legt sich.
Verankert wird, sobald die Höhe es verlangt. Löcher bohren, Ringschrauben setzen, Gerüsthalter anschlagen. Bei Altbauten heißt das: prüfen, ob der Untergrund trägt, und im Zweifel den Ankerpunkt verschieben. Bei Denkmalen heißt es oft: gar nicht bohren, sondern ballastieren und aussteifen — dann wird der Aufbau eine ganz andere Aufgabe.
Brotzeit auf dem Belag
Gegessen wird oft dort, wo man gerade arbeitet: auf dem Belag, mit dem Rücken an der Hauswand. Im Sommer ist das der beste Platz der Baustelle — man sitzt in acht Metern Höhe und schaut über die Weinberge. Im November sitzt man im Nassen und ist froh, wenn man wieder in Bewegung kommt.
Wetter
Gearbeitet wird bei Regen und bei Kälte. Nasses Metall ist glatt, nasse Bohlen sind glatter, und bei Frost kommt Eis dazu. Das ist der Grund, warum bei uns langsamer gearbeitet wird, wenn es rutschig ist, und nicht schneller, um früher fertig zu sein.
Aufgehört wird bei Sturm und bei Gewitter. Dann geht niemand aufs Gerüst — nicht, weil ein Vorgesetzter es verbietet, sondern weil es lebensgefährlich ist. Ein Gerüst mit Netz oder Plane wirkt bei Wind wie eine Wand.
Abbau
Der Abbau geht schneller als der Aufbau, ist aber gefährlicher. Beim Aufbau steht man auf etwas, das fertig ist. Beim Abbau nimmt man sich Stück für Stück den Boden unter den Füßen weg. Deshalb gilt dieselbe Reihenfolge rückwärts, und deshalb wird nichts „schnell noch" abgeworfen. Zum Schluss werden die Ankerlöcher verschlossen und die Standflächen geräumt — wie es vorher war.
Feierabend
Zurück zum Hof, abladen, aufräumen. Was beschädigt ist, wird aussortiert, nicht wieder eingeladen. Dann nach Hause. Weil alle Baustellen im Umkreis von rund 100 Kilometern liegen, heißt Feierabend hier wirklich Feierabend: kein Hotel, keine Montagewoche, kein Wochenendpendeln.
Was die Arbeit mit einem macht
Ehrlich: Die Hände werden hart, und nach zehn Jahren sieht man das. Die Schultern merken es zuerst, der Rücken meldet sich später. Wer richtig hebt, zu zweit trägt, was zu zweit gehört, und das Material so nah wie möglich heranfährt, hält den Beruf lange durch. Wer sich beweisen will, indem er alles allein schleppt, nicht.
Dafür sieht man abends, was man geschafft hat. Ein Haus, das morgens nackt war, steht abends eingerüstet da. Man sitzt nicht in einer Halle, man wiederholt nicht denselben Handgriff achtmal die Stunde, und man weiß am Ende der Woche, wo man war.
Passt das zu Ihnen?
Wenn Sie schwindelfrei sind, anpacken können und zuverlässig sind, dann ja. Alles andere lernt sich. Wenn Sie sich nicht sicher sind: Rufen Sie an und fragen Sie nach einem Tag zum Mitlaufen. Das ist ehrlicher als jede Stellenbeschreibung — auch als diese.
Dieser Text beschreibt den Ablauf im Gerüstbau allgemein. Die konkreten Arbeitszeiten, Pausenregelungen und Zusatzleistungen in diesem Betrieb besprechen wir im Gespräch — hier steht keine Zusage, die nicht bestätigt ist.