Gerüstbauer werden.
36 Monate Ausbildung, Blockunterricht, überbetriebliche Unterweisung, Gesellenprüfung. Was Sie mitbringen müssen, was Sie verdienen und wie es danach weitergeht.
Gerüstbauer ist ein anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk — kein Anlernjob. Wer die Ausbildung macht, hat danach einen Gesellenbrief, der bundesweit gilt.
Wie lange dauert die Ausbildung?
36 Monate, also drei Jahre. Sie ist dual aufgebaut: Betrieb, Berufsschule und überbetriebliche Lehrlingsunterweisung greifen ineinander.
Für Auszubildende aus Rheinland-Pfalz ist die Berufsschule die Berufsbildende Schule Groß-Gerau, und der Unterricht läuft im Blockformat — mehrere Wochen am Stück Schule, dazwischen durchgehend Betrieb. Dazu kommen 25 Wochen überbetriebliche Unterweisung. Diese Angaben stammen von der Handwerkskammer Koblenz, bei der der Ausbildungsvertrag eingetragen wird.
Ein wichtiger Hinweis: Zwischen- und Gesellenprüfung nimmt nach Angaben der HWK Koblenz die Handwerkskammer Rhein-Main in Frankfurt ab. Schulstandorte und Prüfungszuständigkeiten ändern sich — fragen Sie vor Ausbildungsbeginn noch einmal bei der Kammer nach.
Was Sie mitbringen müssen
Schwindelfreiheit. Das ist die einzige Voraussetzung, die sich nicht anlernen lässt. Wer nach zwei Tagen auf der zweiten Lage weiche Knie hat, wird in diesem Beruf nicht glücklich.
Körperliche Belastbarkeit. Ein Gerüstrahmen wiegt 15 bis 25 Kilo. An einem Aufbautag gehen viele davon durch die Hände.
Einen Schulabschluss. Welcher, ist zweitrangig. Zuverlässigkeit zählt in diesem Beruf mehr als die Note in Englisch.
Bereitschaft, draußen zu arbeiten. Bei Regen, bei Kälte, im Sommer in der Sonne. Aufgehört wird bei Sturm und Gewitter, sonst wird gearbeitet.
Was Sie nicht brauchen: ein Einserzeugnis, ein Praktikum als Voraussetzung, einen Führerschein zu Beginn oder Vorerfahrung. Ein Praktikum ist trotzdem der beste Weg herauszufinden, ob der Beruf passt.
Was Sie lernen
Im ersten Jahr geht es um Material, Werkzeug und die Grundlagen: Wie werden Bauteile gehandhabt, wie wird ein einfaches Fassadengerüst aufgebaut, was bedeuten Lot und Waage.
Ab dem zweiten Jahr kommen die Gerüstarten dazu — Fassaden-, Dachfang-, Raum-, Turm- und Hängegerüst — und die Frage, welche Konstruktion zu welcher Aufgabe gehört. Sie lernen, wie Lasten angenommen und abgeleitet werden, wie verankert und ausgesteift wird und wann ein Gerüst gerechnet werden muss, statt nach Regelausführung gebaut zu werden.
Im dritten Jahr geht es um das, woran am Ende alles hängt: prüfen, kennzeichnen, freigeben. Wer ein Gerüst freigibt, übernimmt Verantwortung.
Was Sie verdienen
Tariflich, seit 1. November 2025: 1.125 € im ersten, 1.300 € im zweiten und 1.550 € im dritten Lehrjahr. Das sind Mindestbeträge nach dem Tarifvertrag über die Ausbildungsvergütung im Gerüstbauerhandwerk, bekanntgegeben von der SOKA-Gerüstbau.
Nach der Ausbildung greift der Branchenmindestlohn von derzeit 14,35 € je Stunde als Untergrenze — nach oben offen.
Wie es danach weitergeht
Geselle, dann mit Erfahrung Kolonnenführer, danach Meister im Gerüstbauerhandwerk. Mit dem Meisterbrief steht ein eigener Betrieb offen.
Das ist kein theoretischer Weg: Der Betrieb, der diesen Text schreibt, hat 1979 mit zwei Leuten angefangen und bildet seit 1992 aus.
Und wenn die Ausbildung nichts ist?
Dann fangen Sie als Helfer an. Angelernt wird auf der Baustelle, und wer bleibt und will, kann die Ausbildung später nachholen — das ist der übliche Weg für Leute, die über den Quereinstieg gekommen sind. Mehr zum Quereinstieg · Zur Ausbildung bei uns