Gerüstbauer oder Dachdecker?
Zwei Bauberufe in der Höhe im Vergleich: Ausbildungsdauer, Verdienst, Arbeitsalltag, körperliche Belastung und die Frage, wer sich für welchen entscheiden sollte.
Beide Berufe arbeiten draußen, beide in der Höhe, beide körperlich. Auf der Baustelle begegnen sie sich täglich: Ohne Gerüstbauer darf der Dachdecker nicht aufs Dach. Wer vor der Wahl steht, sollte die Unterschiede kennen.
Was jeder tut
Der Gerüstbauer baut die Arbeitsplattform für alle anderen. Er kommt als Erster auf die Baustelle und geht als Letzter. Sein Werkstück ist eine Konstruktion aus Stahl, die nach ein paar Wochen wieder verschwindet. Er arbeitet an Wohnhäusern genauso wie an Silos, Kirchtürmen und Brückenpfeilern.
Der Dachdecker deckt, dichtet und dämmt. Sein Werkstück bleibt vierzig Jahre stehen. Er arbeitet fast immer am Gebäude, seltener an Ingenieurbauwerken, dafür mit einer größeren Bandbreite an Materialien: Ziegel, Schiefer, Metall, Bitumen, Dämmstoffe.
Ausbildung
| Gerüstbauer | Dachdecker | |
|---|---|---|
| Dauer | 36 Monate | 36 Monate |
| Berufsschule | oft überregional im Blockunterricht | meist regional |
| Abschluss | Geselle, danach Meister möglich | Geselle, danach Meister möglich |
Beim Gerüstbau ist die Berufsschule häufig weiter weg, weil es ein zahlenmäßig kleiner Beruf ist — für Rheinland-Pfalz etwa in Groß-Gerau. Das bedeutet Blockwochen auswärts. Für manche ist das ein Nachteil, für andere der interessanteste Teil.
Verdienst
Beide Berufe haben einen eigenen allgemeinverbindlichen Branchenmindestlohn, beide liegen deutlich über dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Im Gerüstbauerhandwerk sind es seit dem 1. Januar 2026 14,35 € je Stunde, ab 2027 14,90 €.
Die Ausbildungsvergütung im Gerüstbau ist mit 1.125 / 1.300 / 1.550 € je Lehrjahr (tariflich, seit November 2025) für einen Handwerksberuf überdurchschnittlich.
Vergleichen Sie im konkreten Fall nicht die Mindestlöhne, sondern die tatsächlichen Angebote — und fragen Sie nach dem, was zusätzlich gezahlt wird.
Körperliche Belastung
Gerüstbau: viel Gewicht, viel Wiederholung. Ein Rahmen wiegt 15 bis 25 Kilo, und an einem Aufbautag gehen viele davon durch die Hände. Die Belastung ist gleichmäßig hoch, die Bewegungen sind ähnlich.
Dachdecken: weniger Gewicht am Stück, dafür mehr Arbeit in gebückter oder kniender Haltung, oft auf schräger Fläche. Die Belastung geht stärker auf Knie und Rücken.
Keiner der beiden Berufe ist leicht. Wer eine körperliche Einschränkung hat, sollte sie vorher ansprechen — nicht, um abgelehnt zu werden, sondern um zu klären, was geht.
Wetter
Beide arbeiten draußen. Der Gerüstbauer ist bei fast jedem Wetter draußen, weil sein Teil schnell fertig sein muss. Der Dachdecker unterbricht häufiger — bei Regen wird ein offenes Dach nicht weitergedeckt.
Dafür arbeitet der Dachdecker öfter unter einem Wetterschutzdach. Das hat ihm der Gerüstbauer gebaut.
Abwechslung
Im Gerüstbau wechselt das Bauwerk: heute Einfamilienhaus, nächste Woche Kalkwerk, danach ein Kirchturm. Jede Aufgabe braucht eine andere Konstruktion.
Beim Dachdecker wechselt eher das Material und die Technik als der Bauwerkstyp.
Wer sollte was wählen?
Gerüstbau, wenn Sie kräftig sind, gern im Team im Takt arbeiten, das Konstruktive mögen — Lasten, Verankerung, Statik — und wenn Sie es reizt, an Bauwerken zu arbeiten, die man sonst nur von der Straße sieht.
Dachdecker, wenn Sie handwerklich feiner arbeiten wollen, mit unterschiedlichen Materialien, und wenn Ihnen wichtig ist, dass Ihr Werkstück stehen bleibt.
Und wenn Sie unsicher sind: Fragen Sie in beiden Berufen nach einem Tag zum Mitlaufen. Acht Stunden auf einer Baustelle beantworten die Frage besser als jeder Vergleichstext.
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